Strahlung - gratis

 

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  nein Danke

Entwurf

„Handy – Segen oder Fluch?“

Dipl.-Ing. Otto Einsporn VDI, 63477 Maintal

Vortrag zum Stammtisch am 02. April 2007, 15.30 Uhr   Kleeblatt Bischofsheim

Es gilt das gesprochene Wort!

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte zunächst das angekündigte Vortragsthema „Handy – Segen oder Fluch?“ abwandeln und zum Thema „Handy – Segen und Fluch!“ zu Ihnen sprechen. Sie werden gleich merken, worauf es mir dabei ankommt:

„Mach Dir keine Sorgen, Liebes, ich bin gerade in der U-Bahn, steige jetzt die Treppe hinauf und passiere den Eingang. Ich melde mich wieder, sobald ich vom Bäcker komme. Ende.“ Ein Beispiel für eine gedankenlose, überflüssige Handynutzung und dafür, wie das Handy, eine technische Meisterleistung, ein heute unentbehrliches Notfallinstrument und ein in der Wirtschaft nicht mehr wegzudenkendes Arbeitsmittel, durch sinnlose und verantwortungslose Nutzung, durch schrankenlose Ausbreitung und dann mögliche schädliche Auswirkungen zum Problem werden kann. Jede Übertreibung kann den Segen oder Nutzen einer guten Sache zum Fluch oder Schaden werden lassen. Die Atomkraft kann zur friedlichen, umweltschonenden Stromerzeugung genutzt werden, aber auch zu der fürchterlichen Kriegswaffe Atombombe. Es liegt immer in unserer Hand, in der Hand des Menschen.

Die Strahlung von Handys ist nicht so ungefährlich, wie von den Mobilfunkbetreibern immer wieder behauptet wird. Der Präsident des Bundesamts für Strahlenschutz BfS, Wolfram König, hat deshalb alle Ärzte aufgefordert, aktiv an der Abschätzung des Gesundheitsrisikos durch Mobilfunkstrahlung mitzuarbeiten. Ärzte im In- und Ausland haben diese Aufforderung angenommen und sich in verantwortungsvoller Weise dazu entschlossen, die Bevölkerung aus medizinischer Sicht über die Möglichkeiten negativer Auswirkungen von Mobilfunkstrahlung zu informieren.

Beispiele für die Informationsarbeit der Ärzte sind unter vielen anderen:

-                     die „10 medizinischen Handy-Regeln“ der Wiener Ärztekammer

-                     der „Freiburger Appell“ mit über 40.000 Unterschriften

-                     der „Bamberger Ärzte-Appell“

-                     der „Coburger Mobilfunk-Appell“

-                     der Appell unabhängiger Ärzte, Wissenschaftler und Techniker im Dezember 2006 an den Bundespräsidenten Horst Köhler, an die Bundeskanzlerin Angela Merkel und den Bundesumweltminister Sigmar Gabriel:

„Gesundheit ist keine Handelsware: Wir fordern die Einhaltung der gesetzlichen Vorsorgepflicht“

-                     und nicht zuletzt der von 24 Maintaler Ärzten unterschriebene

„Maintaler Ärzte-Appell“ vom September 2004.

Allen Appellen ist gemeinsam:

Wir Ärztinnen und Ärzte stellen in unserem Berufsalltag bei unseren Patienten zunehmend Gesundheitsstörungen fest, die wir dem Einfluss von Mobilfunkstrahlen zuordnen können. Unter anderem:

         Konzentrationsstörungen

         Ein- und Durchschlafstörungen

         Tinnitus und Hörstörungen

         Schwindel und Kopfschmerzen

         depressive Verstimmung

         Erschöpfung, Gereiztheit

Hyperaktivität und Lernstörungen bei Kindern

Wir befürchten auch, dass der zunehmende Mobilfunk und Handygebrauch mitverantwortlich ist für die seit 1990 drastisch angestiegene Zunahme der Krebsrate von 29%.

Wir fordern daher für die Gesundheit unserer Patienten:

Eine massive Reduktion der Grenzwerte für Mobilfunkstrahlung, wie sie in weiten Teilen von Österreich, in der Schweiz, in Spanien, Italien und Russland duchgeführt wurde und trotzdem ein Mobiltelefonieren ohne Qualitätsverlust ermöglicht.

Berücksichtigung der medizinischen Studien bei der Erweiterung der Mobilfunktechnologie.

Aufklärung der Bevölkerung und speziell der Handynutzer über die Gesundheitsrisiken elektromagnetischer Felder.

Förderung des verantwortungsbewussten Umgangs mit Mobilfunk und Handys.

Aufklärungspflicht bereits in Kindergärten und Schulen und bei Handys Nutzungseinschränkung für Kinder und Jugendliche.

Es könnte, wenn Vernunft die Grundlage unseres Handelns wäre, recht einfach sein: Eine konsequente Anwendung und Durchsetzung der gesetzlichen Vorsorgepflicht würde die zunehmenden negativen Auswirkungen des Mobilfunks drastisch reduzieren. Warum sich die Unvernunft bisher durchgesetzt hat, ist dem immensen Aufwand der Mobilfunklobby zu verdanken: Die WMP-Connection, Wirtschaft, Medien und Politik, funktioniert auch beim Mobilfunk wieder einmal einwandfrei, um die Öffentlichkeit hinzuhalten und zu täuschen. Es ist ein Lehrstück über die Mechanismen von Lobbyismus und Scheinpolitik, die etwas anderes will als sie vorgibt zu wollen.

Das Buch des Bundesumweltamtes „Späte Lehren aus frühen Warnungen: Das Vorsorgeprinzip 1896 – 2000“ analysiert in 14 gut lesbaren Einzelbeiträgen Katastrophen der Vergangenheit, die Millionen Menschen und Tieren das Leben kosteten. Ursache waren gesundheitsgefährdende Produkte, Technologien oder Produktionsmethoden. Es wurde geschrieben, um Lehren zu ziehen, wie mit den kontroversen Themen der Gegenwart, wie Klimaveränderung, Gentechnik, Nichtraucherschutz,  radioaktive Strahlung, Asbest, Holzschutzmittel PCB, Kühlmittel FCKW, Östrogene, Antibiotika, Hormone usw. und auch mit Mobilfunk umzugehen ist. Es kam zu diesen Katastrophen, weil frühzeitige Warnungen – und selbst noch laute und späte Warnungen – von den Entscheidungsträgern in der Wirtschaft wegen kurzfristiger wirtschaftlicher Profitgier und in der Politik wegen politischer Parteiinteressen willentlich ignoriert wurden.

Die Ablaufphasen dieser Katastrophen waren immer die gleichen:

Phase 1:

Produktmarkteinführung und Euphorie
Ein neues Produkt kommt ungetestet auf den Markt und wird überschwänglich vermarktet.

 

Phase 2:

Frühe Warnungen über mögliche Schädlichkeit des Produktes.
Unabhängige Wissenschaftler und betroffene Bevölkerungsteile stellen Gesundheitsschäden fest und fordern die Behörden zum Eingreifen auf.

 

Phase 3:

Werbe- und Verharmlosungsoffensive der Industrie

Die Industrie und ihre Verbände bestreiten Gesundheitsschäden pauschal. Die Lobby und PR-Abteilungen werden aktiv. Werbeagenturen verpassen dem Produkt ein positives Image.

 

Phase 4:

Unbedenklichkeitsgutachten
Industrieabhängige korrupte Wissenschaftler treten mit Unbedenklichkeits- und Verharmlosungsgutachten auf.

 

Phase 5:

Realitätsschock: Laute Warnungen
Berichte über Krankheits- und Todesfälle mehren sich. Eine Protestbewegung entsteht.

 

Phase 6:

Staatlicher Betrug und Unterdrückung

Die Regierung zweifelt die Zusammenhänge von Produkt und Opfern an und beruft sich auf entwarnende Gutachten. Kritische Beamte und Wissenschaftler bekommen Publikations- und Redeverbot, werden unter Druck gesetzt oder in Misskredit gebracht.

 

Phase 7:

Priorität Wirtschaftsinteressen
In Krisensitzungen wird regierungsintern der Vorrang der Industrie vor Gesundheitsinteressen festgelegt und Schweigen vereinbart.

 

Phase 8:

Verwirrung stiften

Die Regierung behauptet weiter, bedenkliche Erkenntnisse lägen nicht vor, die gesetzlichen Grenzwerte garantierten Sicherheit. Bei behördlichen Beurteilungen lassen die Entscheidungsträger nur die Informationen der Industrie gelten, deren Produkte beurteilt werden sollen. Die Industrie hat inzwischen selbst Erkenntnisse über die Gesundheitsrisiken ihres Produktes, hält sie aber unter Verschluss. Mit verwirrenden Debatten zünden Industrie und Politik Nebelkerzen.

 

Phase 9:

Paralyse und Analyse

Die Bürgerbewegung und öffentliche Kritik wächst. Die Regierung erklärt, dass sie die Sorgen ernst nimmt. Die Gesundheitsrisiken können nicht mehr offen geleugnet werden. Man spielt auf Zeit. Die Datenlage sei nicht gesichert und reiche zum Handeln nicht aus. Politik und Industrie leiten mit großem Medienaufwand weitere Forschungen ein, statt bereits vorhandene Erkenntnisse als Handlungsgrundlage zu nutzen.

 

Phase 10:

Katastrophe – Verbot des Produktes

Die Langzeitwirkungen des Produktes treten zu Tage. Die Politik lenkt ein. Nach Jahren wissenschaftlichen und öffentlichen Drucks, nach katastrophalen sichtbaren Folgen, hohen staatlichen Folgekosten, Versicherungsschäden und politischer Rivalität wird das Produkt endlich verboten! Inzwischen entwickelte Alternativprodukte können nun erfolgreich vermarktet werden.

 

Dieses 10-Phasenschema der „Profit-vor-Gesundheit-Politik“ kann auf den Mobilfunk übertragen werden. Das Buch des Bundesumweltamtes ist dazu ein hilfreiches Lehrbuch. Es ist ein Plädoyer für die Durchsetzung des Vorsorgeprinzips. Es kommt auf die Bürgerbewegung, auf jeden von uns an, die gesundheitsschädlichen Auswirkungen des Mobilfunks zu verhindern, zumindestens sie zu begrenzen! 

Das Handy ist ein Segen, wenn im privaten Bereich Notsituationen eintreten die schnelle Hilfe erfordern und die dann von Ort und Stelle angefordert werden kann, wenn sonst keine Benachrichtigungsmöglichkeit erreichbar oder in der Nähe ist.

 Das Handy ist ein Segen für die Polizei, für die Feuerwehr, für das Rote Kreuz und viele andere öffentliche und private Hilfsdienste, die damit mobil erreichbar sind und schnell handeln können.

 Das Handy ist in der Wirtschaft ein unentbehrliches Arbeitsmittel, um für wichtige Informationen mobil erreichbar zu sein.

 Verantwortungsloser unnützer Gebrauch kann das Handy aber auch zum Fluch werden lassen. Die 10 medizinischen Handyregeln lauten deshalb:

-                     Prinzipiell so wenig wie möglich telefonieren. Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sollten am besten gar kein Handy benutzen.

-                     Das Handy während des Gesprächsaufbaus nie in Kopfnähe halten.

-                     Nicht in Fahrzeugen (Auto, Bus, Bahn) telefonieren – die Strahlung ist höher.

-                     Beim Versenden von SMS das Handy generell so weit wie möglich vom Körper fernhalten.

-                     Beim Telefonieren immer einige Meter Abstand von anderen Personen halten – sie werden mitbestrahlt.

-                     Handys nie in die Hosentasche stecken – die Strahlung kann die Fruchtbarkeit bei Männern beeinträchtigen.

-                     Handys nachts immer ausschalten und nie in Kopfnähe aufbewahren.

-                     Keine Spiele via Handys spielen.

-                     Wenn irgend möglich das Festnetztelefon benutzen. Es strahlt nicht und das Telefonieren ist mehrfach billiger als mit dem Handy. 

Ein Fluch des Mobilfunks sind auch die besonders für biologische Systeme schädlichen gepulsten elektromagnetischen Hochfrequenzfelder. Sie können innerhalb von Sekunden Bioeffekte auslösen und das Zellsystem schädigen. Dies ist heute durch zahlreiche Studien nachgewiesen. Die wichtigsten Effekte sind die Erschöpfung des Immunsystems, die Anfälligkeit gegen normale Infektionen, die Ausschüttung von Stresshormonen und die Überlastung mit Freien Radikalen. 

Ein Fluch des Mobilfunks ist auch, dass zu den Handys Mobilfunkantennen gehören, die das flächendeckende mobile Telefonieren erst ermöglichen. Während wir aber die Mobilfunkbestrahlung durch das Handy freiwillig begrenzen können, indem wir das Handy benutzen oder nicht, sind wir der Mobilfunkbestrahlung durch die Mobilfunkantennen unfreiwillig 24 Stunden täglich bei Tag und bei Nacht ausgeliefert. Nach der Formel 

                          Intensität x Zeitdauer = Wirkung 

sind deshalb die Mobilfunkantennen schädlicher als die Handys. Die Dauerbestrahlung durch eine Mobilfunkantenne mit geringer Strahlungsintensität ist wirkungsvoller, als die kurzzeitige Bestrahlung durch ein Handy mit höherer Strahlungsintensität. 

Ein Fluch des Mobilfunks ist auch, dass das Handy immer mehr von einem wichtigen Arbeitsmittel zu einem teuren gesundheitsschädlichen Spielzeug umfunktioniert wird. Nach eigenen Angaben macht die Mobilfunkindustrie 65% ihres Umsatzes mit Kindern und Jugendlichen bis zu 20 Jahren. Das Erschreckende dabei ist neben der finanziellen Belastung der Jugendlichen die zunehmende zusätzliche Einnahme von Ritalin. Das Medikament hat Wirkstoffe für drei verschiedene Richtungen: Bei Konzentrationsstörungen und Lernschwächen wirkt es aufputschend und aufmerksamkeitsfördernd, bei Überaktivität und Aggressivität dämpfend und bei Erwachsenen mit depressiven Verstimmungen weckt Ritalin Glücksgefühle. Eine wahre Wunderdroge, bestens passend zu den anderen Gesundheitsschädigungen durch den Mobilfunk.

Mobilfunk + Ritalin ist ein Kapitalverbrechen an Kindern und Jugendlichen! 

Ich hoffe, ich habe Ihnen mit meinem Vortrag nicht zu viel zugemutet und ich stehe Ihnen für Fragen gerne Verfügung. 

    

Helmut Langenbach  
Mitglied der Bürgerwelle e.V. 

E-Mail: helmut.langenbach@online.de