August 2006

Handycap:

Handys können kindliche Entwicklung verzögern

  

Neuss - Besitzen Kinder zu früh ein eigenes Handy, kann das ihre Entwicklung verzögern. Das Mobiltelefon erschwere die notwendige Ablösung von den Eltern.

 "Wenn die Kinder die ständige Erreichbarkeit der Erwachsenen spüren, kann das die Entwicklung zur Eigenständigkeit erschweren", sagt Dr. Christa Schaff, Vorsitzende des Berufsverbandes für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (BKJPP). So lösen sie Probleme nicht mehr selbstständig, sondern rufen sofort die Mutter an. Ausnahmen gibt es allerdings, wenn Kinder beispielsweise regelmäßig Medikamente einnehmen müssen. "Da lässt sich das Handy so programmieren, dass es die Kinder daran erinnert." In diesem Fall stärkt das Gerät sogar die Unabhängigkeit von den Eltern.

Ambivalent ist auch das Schreiben von Kurznachrichten (SMS): Einerseits beeinträchtigt das exzessive Schreiben von SMS die Sprachentwicklung von Kindern. "Die normale Sprachproduktion wird verkürzt. Das ist auch anders, als wenn Kinder einen Zettel schreiben", erläutert Dr. Schaff. Andererseits fördert das "Simsen" die Abgrenzung gegenüber Erwachsenen, da der verwendete Code von diesen oft nicht verstanden wird.

Eine "Handy-Sucht" bei Kindern hat Dr. Schaff bislang nicht beobachtet. Es gibt aber bei einigen Kindern sicherlich Tendenzen in diese Richtung. "Wenn unentwegt SMS geschickt werden, ist es an Eltern und Lehrern, hier eine Grenze zu ziehen." Grundsätzlich sollten Eltern ohnehin regelmäßig die Handy-Nutzung ihrer Kinder kontrollieren.

In der "Kids-Verbraucheranalyse" des Egmont Ehapa Verlages aus Berlin waren bundesweit 1.652 Kinder zwischen 6 und 13 Jahren unter anderem zur Handy-Verbreitung befragt worden. Insgesamt verfügt demzufolge ein Drittel der Altersgruppe über ein eigenes Mobiltelefon. Die jungen Handybesitzer beziehungsweise ihre Eltern geben dafür im Monat knapp 24 Euro aus. Dank verstärkter Nutzung von Prepaid-Cards liegt dieser Betrag aber leicht unter dem
Vorjahreswert.

 
Quellen:
http://www.neurologen-und-psychiater-im-netz.de
http://www.heise.de/mobil/newsticker/meldung/76238
  

Helmut Langenbach  
Mitglied der Bürgerwelle e.V. 
E-Mail: strahlung.gratis@online.de