Deutsches Teilresultat der Interphone-Studie

Quelle: Siegener Zeitung

Freitag, 27. Januar 2006

Kein erhöhtes Hirntumor-Risiko

 

Studie über Gefahr durch Handys umfasst 13 Länder

  
AP Bielefeld. Nutzer von Handys und schnurlosen Telefonen haben laut einer Studie insgesamt kein erhöhtes Risiko, an einem Hirntumor zu erkranken. Die Erhebung ist Teil der Interphone-Studie, die unter anderen von der Arbeitsgemeinschaft Epidemiologie und International Public Health der Universität Bielefeld durchgeführt wurde, so die Hochschule gestern.

Allerdings wurde bei Personen, die seit zehn Jahren Handys nutzen, ein leicht erhöhtes Risiko für so genannte Gliome gefunden. Dieser Befund könne jedoch erst nach Abschluss der internationalen Auswertung bewertet werden, da dieses Ergebnis auf Grund der kleinen Fallzahl auch ein Zufallsbefund sein könnte. Handys und Schnurlostelefone emittieren  — im Gegensatz zu „klassischen“ Telefonen mit Schnur —  hochfrequente elektromagnetische Felder.
Zum Schutz der Bevölkerung gibt es Grenzwerte. Elektromagnetische Felder unterhalb dieser Grenzwerte verursachen nach derzeitigem Wissen keine Gesundheitsschäden. Da Handys und Schnurlostelefone direkt an den Kopf gehalten werden, kommt die Strahlenbelastung insbesondere durch die Handys den Grenzwerten aber relativ nahe.

Auf Betreiben der Weltgesundheitsorganisation wurde im Herbst 2000 die internationale Interphone-Studie in 13 Ländern begonnen. In Deutschland wurde die Interphone-Studie gemeinsam von der AG Epidemiologie und International Public Health der Universität Bielefeld, vom Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik der Universität Mainz (Studienleitung) und der AG Umweltepidemiologie am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg durchgeführt.
 

     
     
  Gliome sind Hirntumore  
     
 

Die Behandlung von Gliomen umfasst Operation, Strahlen- und Chemotherapie. Welche dieser Verfahren im Einzelfall in Betracht kommen, hängt vor allem von Lage und Größe des Tumors und von seiner Lokalisation im Gehirn ab. Wann immer vertretbar, steht an erster Stelle der Behandlung die operative Entfernung des Tumors.

 
       
   http://www.ma.uni-heidelberg.de/inst/nch/html/gliom.html  
     
  Jeden Tag wird in Deutschland bei mehr als 20 Patienten ein Gehirntumor festgestellt.  
       
 

Kommentar zum SZ-Artikel „Kein erhöhtes Hirntumor-Risiko"  vom 27. Januar

   Diese Meldung sollte nicht dazu verleiten, sorgloser mit dem Handy zu telefonieren. Die aufgeführte Einschränkung der Interphone-Studie (… „leicht erhöhtes Risiko für so genannte Gliome“) ist entlarvend - denn Gliome sind Hirntumore. Und wer kann vorhersagen, was nach zehn, zwanzig oder dreißig Jahren Handynutzung passiert?

    Die anderen, in bereits vorliegenden Studien aufgeführten negativen Folgen der Handynutzung wie Kopfschmerzen, Veränderung des EEG, erhöhte Unfallgefahr nach Handy-Gespräch, schlechtere Durchblutung der Augen, Herzrhythmusstörungen, Reduzierung der Zeugungsfähigkeit und vieles mehr, wurden hier entweder nicht untersucht oder sind in der Meldung nicht aufgeführt. Vor zehn Jahren gab es lediglich einige hunderttausend Handys.


 
   Die Nutzer waren in erster Linie erwachsene Berufstätige. In der Folgezeit hat sich die Zahl der Nutzer um einige hundert Prozent (!) erhöht. Auch die Anzahl der Gespräche pro Teilnehmer und die Gesprächslängen haben sich vervielfacht. Damit sind auch die Risiken gestiegen. Alle Altersgruppen nutzen heute Handys für mehr oder weniger sinnvolle Aufgaben. Den größten Anteil am Gesprächsaufkommen haben Jugendliche und Kinder. Die Grenzwerte, die zum Schutz der Bevölkerung erlassen wurden, berücksichtigen leider nur die thermische Komponente der vom Handy ausgesandten gepulsten Hochfrequenz, nicht aber die biologische Wirkung.

   Man fragt sich, warum sich Mobilfunk-Betreiber und Handy-Hersteller weigern, die vom Bundesamt für Strahlenschutz geforderte Einführung des Blauen Engels für strahlungsarme Handys durchzuführen. Die Antwort kann nur lauten: jede Handy-Nutzung ist gefährlich - auch bei Geräten mit niedrigem SAR-Wert. Man würde mit der Einführung des Blauen Engels eine Verantwortung übernehmen die vermutlich versicherungsrechtlich nicht abzudecken ist. Die Empfehlung kann nur lauten: Handynutzung nur in Notfällen. 


Helmut Langenbach
Mitglied der Bürgerwelle e. V.

 

Interphone-Studien:
Britische Studie
Schwedische Studie
Dänische Studie
 
Januar 2006

Großangelegte britische Studie ergab keine Erhöhung des Krebsrisikos durch Handys

  

Die bisher größte Studie zu diesem Thema hat keine Beweise für einen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Mobiltelefonen und Gehirntumoren nachgewiesen. Britische Wissenschafter interviewten 966 in Großbritannien lebende Tumorpatienten und 1.716 gesunde Kontrollpersonen. Die Befragungen wurden zwischen Dezember 2000 und Februar 2004 durchgeführt. Die epidemiologische Erhebung ergab keine Hinweise dafür, dass das Telefonieren mit einem Handy das Risiko der Entstehung eines Tumors erhöhte oder dass ein verstärkter Handyeinsatz das Risiko erhöhte.

Nachgewiesen wurde ein Zusammenhang zwischen der Position des Tumors und der Seite des Kopfes mit der Patienten am häufigsten telefonierten. Als die Händigkeit der Betroffenen berücksichtigt wurde, die der entsprechenden Kopfseite entspricht, ergab sich kein Zusammenhang. Die Wissenschafter gehen aufgrund der Ergebnisse der gesamten Studie davon aus, dass es sich bei diesem Zusammenhang um eine Abweichung gehandelt hat. Sie halten es für wahrscheinlich, dass die Patienten sich nicht richtig an ihre Handynutzung erinnerten, um so eine Erklärung für den Tumor zu haben. Die Ergebnisse dieser Studie wurden im British Medical Journal veröffentlicht.

Die aktuelle Studie wurde von den Universitäten Leeds, Manchester und Nottingham in Zusammenarbeit mit dem Institute of Cancer Research durchgeführt. Die Finanzierung übernahmen die britische Regierung und einige Mobiltelefonhersteller. Diese Studie ist Teil des derzeit laufenden größeren Forschungsprojekts Interphone, das schließlich Daten aus 13 verschiedenen Ländern erfassen soll. In der Vergangenheit haben mehrere Studien einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Mobiltelefonen und der Entstehung von Gehirntumoren nahe gelegt. Mitautor Anthony Swerdlow von der Health Protection Agency warnte davor, uneingeschränkte Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen der aktuellen Studie zu ziehen. Der relativ kurze Zeitraum der starken Handynutzung mache es schwer, eindeutige Folgerungen zu ziehen.

Es werde noch für lange Zeit eine gewisse Unsicherheit geben. Lennart Hardell von der Örebro unviersitet http://www.oru.se stellt die Gültigkeit der Forschungsergebnisse in Frage. Er publizierte im Mai 2005 die Ergebnisse einer in Schweden durchgeführten Studie, die einen Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Mobiltelefonen in ländlichen Regionen und einem erhöhten Risiko einer Krebserkrankung im Gehirn herstellt. Hardell erklärte gegenüber New Scientist, dass Interviews mit Gehirntumorpatienten problematisch sein könnten, da sie fallweise auch unter kognitiven Problemen leiden. Der Wissenschafter geht davon aus, dass es noch mindestens zehn Jahre dauern wird, bis sichere Aussagen über die Langzeitrisiken des Einsatzes von Mobiltelefonen gemacht werden können.
 

 
Mai 2005
Schwedische Studie Mobiltelefonieren am Land erhöht Gehirntumorrisiko
   

Die regelmäßige und langfristige Benutzung von Handys in ländlichen Gebieten soll das Risiko an einem bösartigen Gehirntumor zu erkranken um das Achtfache erhöhen. Gegenüber den Städtern haben die Bewohner am Land, die länger als drei Jahre ausschließlich ein Mobiltelefon benutzen, ein dreifach höheres Risiko, dass bei ihnen ein Gehirntumor festgestellt wird.

Das Benutzen von Handys über einen Zeitraum von mehr als fünf Jahren vervierfacht das Gehirntumorrisko der Landbevölkerung. Zu diesen Ergebnissen kommt eine schwedische Studie des University Hospital in Orebro, die in der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins Occupational and Environmental Medicine publiziert wurde.

Die Forscher befragten 1.400 Erwachsene im Alter zwischen 20 und 80 Jahren, bei denen ein bösartiger oder beginnender Gehirntumor diagnostiziert wurde. Der Untersuchungsgruppe wurde eine ähnlich große, gesunde Kontrollgruppe des gleichen Geschlechts und Alters gegenübergestellt, die in dem selbem geografischen Gebiet wohnte. Via Fragebogen wurde der tägliche Gebrauch von Handys, Schnurlos- oder Festnetztelefonen eruiert. Überraschend zeigte sich, dass für die Diagnose Gehirntumor vor allem der Wohnort und die Art des Telefons ausschlaggebend ist. Während Schnurlos- und Festnetztelefone in keinerlei Zusammenhang mit der Entwicklung von Gehirntumoren gebracht werden konnten, stellten die Forscher fest, dass Mobiltelefone das Tumorrisiko bis um das Achtfache erhöhten.

Die Experten führen dies auf die unterschiedliche Strahlenbelastung in ländlichen und städtischen Gebieten zurück. Denn die Basis-Sendestationen am Land sind in größeren Abständen angeordnet als in der Stadt und brauchen zur Kompensation der größeren Distanzen eine höhere Signalintensität.
 

 
April 2005

Dänische Studie: Handys erhöhen das Risiko eines Gehirntumors nicht

   

Wissenschafter der Danish Cancer Registry haben nachgewiesen, dass das Telefonieren mit Handys das Risiko eines Gehirntumors nicht erhöht. An der Studie nahmen mehr als 1.000 Personen teil. Die Autoren argumentieren, dass Langzeituntersuchungen noch immer erforderlich sind, da negative Auswirkungen in dem kurzen bisherigen Beobachtungszeitraum nicht ausgeschlossen werden können.

Sie empfehlen den Einsatz von Hands-Free-Kits, um die Strahlungsbelastung des Gehirns zu verringern. Die Ergebnisse der so genannten Interphone Studie wurden in Neurology veröffentlicht. Michael Clark von der Health Protection Agency erklärte laut BBC, dass die Interphone Studie ähnliche Untersuchungen aus 13 Ländern versammle, die unter Umständen gemeinsam analysiert werden. Die Ergebnisse von weiteren 12 Studien sollen in den nächsten 18 Monaten vorliegen.

Das Team um Christoffer Johansen untersuchte als Teil einer paneuropäischen Untersuchung die Sicherheit von Handys. Die Wissenschafter befragten 427 Patienten mit Gehirntumoren und 822 gesunde Teilnehmer zu ihrer Handynutzung. Zusätzlich wurden die Telefonrechnungen einiger Teilnehmer auf die Richtigkeit der Angaben hin überprüft. Die an Gehirntumoren Erkrankten hatten weder länger noch häufiger mit dem Handy telefoniert. Laut Johansen sei für endgültige Schlussfolgerungen die Einbeziehung von Langzeitergebnissen und starken Telefonnutzern erforderlich. "In unserer Studie gaben nur wenige Personen an, dass sie seit zehn oder mehr Jahren regelmäßig mit dem Handy telefonierten. Aus diesem Grund kennen wir nur einen Teil der Geschichte."
 

    
     

Helmut Langenbach  
Mitglied der Bürgerwelle e.V. 
E-Mail: strahlung.gratis@online.de